Waffenbezogenes Verhalten: Vorhandene Befunde und ein theoretischer Rahmen zur Erklärung von Selbstbewaffnung und Waffeneinsatz
DOI:
https://doi.org/10.18716/ojs/krimoj/2026.2.4Schlagwörter:
Kriminalitätsfurcht, Messerkriminalität, Selbstbewaffnung, Waffeneinsatz, WaffenkulturAbstract
Das Beisichführen und der Einsatz von Waffen rücken durch aufsehenerregende Gewalttaten und eine im Hellfeld ansteigende Entwicklung verstärkt in den öffentlichen Fokus. Während es international zahlreiche empirische Erkenntnisse zu waffenbezogenem Verhalten gibt, besteht für Deutschland ein Forschungsdefizit. Der Beitrag stellt zunächst den internationalen Forschungsstand zu Selbstbewaffnung und Waffeneinsatz dar und arbeitet die verfügbaren Befunde für Deutschland auf. Viktimisierungserfahrungen sind der stärkste Prädiktor für Selbstbewaffnung, während Kriminalitätsfurcht überraschend wenig Einfluss hat. Etwa ein Fünftel der Jugendlichen in Deutschland führt mindestens selten Waffen (überwiegend Messer) mit sich, wobei männliche Jugendliche deutlich höhere Raten aufweisen als weibliche. Messergewalt konzentriert sich verstärkt auf den sozialen Nahraum. Unter Einbeziehung von Variablen auf Mikro-, Meso- und Makro-Ebene wird ein theoretisches Modell zur Erklärung waffenbezogenen Verhaltens entwickelt. Es handelt sich um ein komplexes Phänomen, das durch individuelle, soziale und strukturelle Faktoren sowie durch die materielle Beschaffenheit von Waffen selbst geprägt wird.
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