Subkultur als Ausbildungsressource: Befunde aus dem österreichischen Strafvollzug

Autor/innen

  • Elke Brewster

DOI:

https://doi.org/10.18716/ojs/krimoj/2026.2.2

Schlagwörter:

Berufsausbildung im Strafvollzug, Gefängnissubkultur, Peer-Mentoring, Prisonisierung, Resozialisierung, Ressourcenorientierung

Abstract

Die Gefängnissubkultur wird in der kriminologischen Forschung traditionell als Hindernis für Resozialisierung betrachtet. Dieser Beitrag unternimmt eine theoretische Neubetrachtung und fragt, inwiefern die durch Prisonisierung entstehenden informellen Strukturen, Hierarchien und Solidaritätsmechanismen für die Berufsausbildung im österreichischen Strafvollzug produktiv nutzbar gemacht werden können. Ausgehend von den klassischen Theorien Clemmers, Sykes’ sowie Irwins und Cresseys, ergänzt durch aktuelle internationale Forschung, wird argumentiert, dass die Gefängnissubkultur funktional ambivalent ist: Sie kann sowohl resozialisierungsfeindlich als auch -fördernd wirken, je nachdem, welche ihrer Aspekte aktiviert werden. Der Beitrag identifiziert vier zentrale Nutzungspotenziale – peer-basierte Lernstrukturen, Status durch Qualifikation, kollektive Bewältigungsstrategien und Formalisierung informellen Wissens – und illustriert diese durch Praxisbeispiele aus einer österreichischen Justizanstalt. Die kritische Reflexion zeigt jedoch, dass strukturelle Rahmenbedingungen, konzeptionelle Widersprüche und ethische Probleme einer unreflektierten Instrumentalisierung entgegenstehen. Ein Paradigmenwechsel von einer defizit- zu einer ressourcenorientierten Perspektive wird als notwendig erachtet, erfordert aber pädagogische Professionalität, partizipative Gestaltung und kontinuierliche ethische Reflexion.

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Veröffentlicht

2026-06-29

Zitationsvorschlag

Brewster, E. (2026). Subkultur als Ausbildungsressource: Befunde aus dem österreichischen Strafvollzug. Kriminologie - Das Online-Journal | Criminology - The Online Journal, 8(2), 124-146. https://doi.org/10.18716/ojs/krimoj/2026.2.2